“Splinter Cell: Double Agent” - Doppelte Enttäuschung
GameCube, PC-Spiele, PS2, PS3, Wii, XBOX 360 |
09. 07. 2009 |
Schuetti |

Der erste Teil von Splinter Cell, der 2002 für die XBox erschien, war eine Revolution im Stealth-Genre. Durch die Licht- und Schatten-Effekte der Unreal2-Engine konnte man unerkannt im Dunkeln operieren ohne von seinen Gegnern gesehen zu werden, obwohl diese direkt neben einen stehen, und diese unschädlich machen. Dazu noch eine sehr gute Steuerung und eine packende Story rundeten den Spielspaß noch weiter ab. Es war klar, dass ein zweiter Teil folgen würde, der die komplette Engine des ersten Teils weiterverwendete. Erst ab Teil 3 wurde die Grafik und das Handling verändert, zum Schlechteren, wie ich finde. Und gerade darauf wurde dann ein vierter Teil aufgebaut. Ich habe die ersten drei Teile mit Begeisterung gespielt, obwohl der Dritte schlechter war als seine Vorgänger. Doch was ich beim Spielen von “Double Agent” erlebt habe, habe ich wirklich nicht erwartet.
Handeln wir erst einmal die Story ab. Sam wird auf eine Mission mit einem Rookie geschickt. Der vermasselt es und wird getötet. Sam ist natürlich darüber sehr bestürzt, aber noch viel mehr über die Tatsache, dass seine Tochter bei einem Auto-”Unfall” ums Leben kam. Ab da wirft er sein Leben weg, wird dann von Lambert aber für eine weitere Mission angeworben, einen Undercover-Auftrag. So muss Sam sich inhaftieren lassen, um im Gefängnis mit einem Mitglied einer terroristischen Vereinigung (JBA) Kontakt aufzunehmen und ihm zur Flucht zu verhelfen. Ist er erst in die Terrorgruppe eingeschleust, soll er die Missionen, die er von ihnen bekommt so gut es geht sabotieren. Die alte Doppel-Agent-Leier eben. Dabei kommt es darauf an bei beiden Fraktionen, NSA und JBA, ein gewisses Maß an Vertrauen zu behalten. Gescheiterte Missionsziele haben Vertrauensverlust zur Folge, durch durchgeführte Ziele gewinnt man dieses wieder. Je nachdem wie man sich entscheidet, soll das Spiel unterschiedliche Enden haben.
Und da ist auch schon der erste Fehler der Entwickler: Variirende Enden. Wie soll denn da eine vernünftige Fortsetzung angeknüpft werden, wenn man nicht weiß wie der erste Teil nun geendet hat. Also ich finde sowas ehrlich gesagt immer recht unvorteilhaft. Meiner Meinung nach sollte man sich bei einer guten recht linearen Geschichte mehr Mühe geben, als irgenwelche Alternativen hinzuklatschen. Ich spiel das Spiel lieber einmal und hab dabei richtig Spaß, als dass ich mich mehrfach durch die HAndlung quälen muss, um nun zu erfahren, was die Story-Verläufe nun sind. Bei “Double Agent” wäre zweiteres der Fall, aber das wollte ich mir wirklich nicht antun.
Ich werde mich mal zur Abwechslung etwas kürzer fassen. Das Spiel war eine absolute Enttäuschung. Das schlechte Handling, sowie die grottigen Animationen, die Fisher wie eine billige Marionette aussehen lassen, allein sind schon Grund genug bloß die Finger von dem Game zu lassen.
Kleinere Mini-Games sollen für Abwechslung sorgen. Das Gegenteil ist der Fall. Diese Einlagen nerven nur, weil man zig mal immer das Gleiche machen muss. Auch vom Schleichen von Schatten zu Schatten ist nichts mehr übrig. Die Engine lässt es nicht mehr zu von Licht und Schatten zu unterscheiden. Eine Anzeige, wie gut man von den Gegnern gesehen wird, musste für einen Alarm-Anzeiger weichen: Grün - keiner ist alamiert, Gelb - jemand hat irgendwas gesehn und fragt sich was da los ist, Rot - man steht unter Beschuss. Man schleicht immer nur von Hindernis zu Hindernis wie in jedem x-beliebigen Shooter mit Stealth-Einlage. Man hat nichtmal in jeder Mission das Nachtsichtgerät, das Markenzeichen des NSA-Agenten, das ich auch so gut wie nie benutzt habe. Noch dazu die KI, die seltsamer Weise immer weiß, wo man sich versteckt, sobald die Anzeige auf Gelb wechselt, und man diese nur durch KI-Bugs abschütteln kann. So habe ich es erlebt, dass ich mich hinter zwei großen Kisten versteckt habe, die einen kleinen Gang bildeten. Drei Gegner sind gemütlich zu meiner Position unterwegs und wollen durch diesen Durchgang. Doch leider können sie sich nicht einigen wer als ersten durch den schmalen Gang zu mir kommen will. Jeder will dem anderen den Vortritt lassen. Genug Zeit sich über einen anderen Ausweg aus dem Staub zu machen. Insgesamt ist man in “Double Agent” eh besser beraten alles niederzuballern, da man, so gut man sich auch versteckt, trotzdem irgendwie entdeckt wird.
Noch dazu ist das Spiel voller weiterer Bugs. Ich habe die Steam-Version gespielt und habe ständig Spielabstüze erlebt. In Internet-Foren habe ich gesehn, dass auch andere die gleichen Probleme haben. Manchmal war es auch nicht möglich gewisse Tätigkeiten im Spiel durchzuführen, beispielsweise das Safe-Knacken, das nur in wenigen Fällen überhaupt reagiert hat. Und sogar der Super-GAU ist eingetreten. Nach der vorletzten Mission 10 wurde die Endsequenz nicht getriggert. Alles was gezeigt wurde war eine Kameraeinstellung, die eigentlich zeigen sollte, wie ein SWAT-Team durch die Decke bricht, doch geschehen ist dies nicht. Auch das ist in der Tat kein Einzelfall! So habe ich mir dann das Ende, wie viele andere auch, auf YouTube ansehen müssen. Eine wirkliche Schande!
Bei weiteren Recherchen in diversen Foren habe ich außerdem erfahren, dass es Unterschiede zwischen den einzelnen Versionen für die Platformen gibt. So wurde zwar in den Next-Gen-Versionen die Grafik in einigen Missionen aufgebohrt, allerdings fehlen einige Storyelemente komplett. So haben die Entscheidungen, die man im Spiel trifft, in den grafischschwächeren Versionen viel größere Auswirkungen.
Mein Fazit fällt daher auch entsprechend schlecht aus. Kauft das Ding bloß nicht! Auch wenn es inzwischen schon teilweise für 4€ zu haben ist, es macht einfach keinen großen Spaß. Da kann man sich auch bei YouTube diverse Walkthroughs reinziehen, da spart man auch unter Umständen noch Zeit und es ist umsonst. Ich gebe dem Spiel der alten Zeiten willen noch 3,5 Punkte, da die Level doch recht hübsch gestaltet waren und durch gut gescriptete Events sogar Atmosphäre hätte aufkommen können. Dieses Potential wurde allerdings durch die schlechte Umsetzung verschenkt und so ist man von diesen überaschenden Wendungen der Gegnerkonstellationen eher genervt als verblüfft. Ich werde jedenfalls dieses Spiel kein weiteres mal anfassen und wer für “Conviction” wissen will, was im 4. Teil geschah, dem sei, wie schon erwähnt, YouTube ans Herz gelegt.
Meine Bewertung: 3,5/10 Punkte
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1 Kommentar | Einen eigenen Kommentar schreiben
Wow, vernichtend. Schade was aus so einer großen Serie geworden ist. War zwar nie wirklich ein großer Fan, aber das hier klingt nach einer Schande!
10.07.09 11:22 Uhr | | Nach oben
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