“Rise of Nations” - Reise der Nation
PC-Spiele |
13. 05. 2009 |
Henning |
Diesen Post möchte ich einem meiner Lieblings-Echtzeitstrategie-Games witmen. Eine zeitlang war dieser Titel immer vertreten auf allen LAN-Partys, nun habe ich ihn aus aktuellem Anlass (siehe “Der Herr der Ringe: Die Schlacht um Mittelerde“) mal wieder hervorgekramt. Und siehe da, “Rise of Nations” aus dem Hause Microsoft kann auch heute noch begeistern, zudem ist es supergünstig für nur 6,99€ inklusive Add-on erhältlich. Ein ausgefeiltes Wirtschaftssystem sowie ein überarbeitetes Einheitenlimit lassen die “Age of”-Teile alt aussehen.
2D trifft 3D
Die Menge der Gaming-Strategen ist schon lange in zwei Lager gespalten: zum einen die alteingesessenen “konservativen” Gamer, welche in der “neuen” 3D-Grafik keinen Nutzen sehen und sich den alten Detailreichtum zurückwünschen, zum anderen die etwas jüngeren grafikverwöhnten Zocker, welche auf die neuen Grafik-Technologien schwören. Gibt es da überhaupt eine Schnittmenge? Wenn ja, dann liegt “Rise of Nations” aber genau mittendrin. Das Spiel ist nämlich eine Kombination aus 3D und 2D. Die Gebäude, Vegetation und Kameraeinstellungen sind in 2D, die Einheiten und Landschaft in 3D. Heraus kommt eine ansehnliche Mischung. Erstaunlicherweise bietet “Rise of Nations” sogar spiegelndes Wasser, ein absolutes Novum in der Zeit (2003) und dem Genre. Außerdem auffällig ist die niedrige Zoomstufe, welche es ermöglicht das Kampfgetümmel endlich mal aus größerer Distanz überblicken zu können.
Kein Goldmangel, keine abgeholzten Wälder. Das Endlosspielprinzip
Ja, richtig gehört: “Rise of Nations” bricht mit alten “Age of Empires”-Prinzipien und beseitigt die nervigen Rohstoffprobleme, welche spielbeendend wirken. Gekoppelt an eine ausgefeilte Wirtschaft ermöglicht Microsoft das Endlosspiel, ohne dabei einen Rohstoffüberfluss entstehen zu lassen. Wie das geht? Der Spieler erweitert sein Territorium durch Städte (welche frei gesetzt werden können). Jede Stadt besitzt ein Gebiet um sich herum, in dem Felder zur Nahrungsbeschaffung gebaut werden können, die Anzahl der Felder der Stadt ist jedoch begrenzt. Holz und Erz können auch außerhalb der Städte abgebaut werden, allerdings nur über ein Holzfällerlager oder eine Mine, welche jeweils nur eine gewisse Anzahl an Arbeitern beschäftigen kann. Hinzu kommt, dass an jeden Wald/Berg nur ein Lager gebaut werden kann, also finden keine Massenrodungen statt. Vorteil: der Wald verschwindet nicht und der Berg quillt über vor Erzen. Begünstigt werden die Produktionsgebäude wie gewohnt duch Sägewerke, Gießereien und Mühlen sowie deren Upgrades. Mit fortschreitenden Epochen ist irgendwann auch Öl verfügbar, gewonnen wird dies durch Ölbohrtürme auf Ölfeldern (zu Land und zu Wasser).
Nun zur Goldquelle. Auch hier eine große Umorientierung, es gibt keine Goldminen. Gold muss erhandelt werden mithilfe von Karawanen welche zwischen den Städten pendeln. Pro Route kann nur eine Karawane verkehren und über allem steht immer eine Begrenzung der Höchstanzahl der Karawanen (Diese Begrenzung wird mit zunehmender Forschung immer weiter nach oben korrigiert).
Der letzte Rohstoff ist Wissen und wird in Universitäten von Gelehrten erzeugt. Wieder gilt: nur eine Uni pro Stadt und nur 7 Gelehrte pro Uni. Wissen wird hauptsächlich für Forschungen benötigt, sollte aber nicht unterschätzt werden.
Alle Rohstoffe werden kontinuierlich gewonnen, eine Zahl zeigt an, wo gerade das effektive Rohstoffeinkommen liegt. Das Rohstoffeinkommen wiederum wird begrenzt von der Handelsobergrenze, das bedeutet im ersten Zeitalter kann zum Beispiel nicht mehr als +100 Nahrung gewonnen werden (man kann natürlich mehr als 100 Nahrung besitzen). Die Handelsobergrenze wird durch die Forschung, seltene Rohstoffe (tauchen dauerhaft auf der Karte auf und können abgebaut werden, bieten besondere Vorteile sowie Boni bei den Rohstoffen), Weltwunder etc. nach oben korrigiert und kann später nur noch schwer erreicht werden.
Epochenwechsel bringt Fahrt ins Spielgeschehen!
In der Bibliothek wird geforscht. Es gibt vier verschiedene Technologie-Typen: Militärische, Regierungs-, Handels-, und Wissenschaftstechnologien. Um eine Epoche aufzusteigen, wird eine Mindestzahl an erforschten Technologien gefordert. Die Epochen gehen vom Altertum bis ins Informationszeitalter, vergleichbar mit dem heutigen Entwicklungsstand. Am Ende des Informationszeitalters gibt es 4 sogenannte “Zukunftstechnologien”, welche besondere Vorteile bieten. Wie üblich bei den Technologien muss man sich nicht entscheiden, sondern kann auch gleich alle 4 Technologien entwickeln, das Ganze muss nur hintereinander ablaufen. Positiv aufgefallen: Da die Forschung nicht in den Städten selbst abläuft, wird z.B. die Arbeiterproduktion nicht unterbrochen, während ein neues Zeitalter entwickelt wird.
Karabiner bringt Comanche-Hubschrauber zum Absturz
Klingt wie eine lächerliche Nachricht aus dem ehemaligen Irak-Krieg, ist hier leider normales Spielgeschehen. Es ist natürlich unverzichtbar, dass Einheiten einer weniger weit entwickelten Nation noch eine Chance im Kampf gegen einen fortschrittlichen Feind haben, sonst wäre jedes Spiel warscheinlich mit dem ersten Epochenwechsel beendet. So sehr es auch schmerzt, aber leider werden so einige Kämpfe ziemlich unrealistisch, um ein gerechtes Balancing zu gewährleisten. Mich stört es jetzt nicht so sehr, wenn ich Bogenschützen gegen Panzer kämpfen sehe, aber leider gibt es da auch keine andere Möglichkeit meines Erachtens.
Die Kämpfe an sich laufen in größerem Rahmen ab als bei anderen Genre-Vertretern (niemals in Größenordnungen von “Supreme Commander“), ermöglicht durch ein höheres Einheitenlimit und eine bessere Zoomstufe. Selbstverständlich spielt sich nicht alles an Land ab, die Meere sind hart umkämpft und der Luftraum ist niemals sicher. Mit den letzten beiden Epochen treten dann die Atomwaffen in die Manege. Werden diese zu ungezügelt eingesetzt, beendet die Armageddon-Uhr das Spiel.
Add-on: “Rise of Nations: Thrones and Patriots”
Fast ein Jahr später bekam “Rise of Nations” sein erstes und einziges Add-on: “Rise of Nations: Thrones and Patriots”. Mit der Erweiterung kommen 6 neue Völker hinzu sowie neue Einheiten und Gebäude. Die Kampagnen im Singleplayer wurden ebenfalls erweitert. Die größte Neuerung stellt die Möglichkeit dar, eine Regierung zu bilden. Diese setzt sich zusammen aus der Regierungsform (Monarchie, Despotismus, Republik, Demokratie, Kapitalismus und Sozialismus), welche Wirtschaftliche und/oder militärische Vorteile bringt, sowie der Erschaffung einer Patrioten-Einheit, welche an vorderster Front mitkämpft und die eigenen Reihen durch Boni im Kampf stärkt.
PS: Der dähmliche Titel “Reise der Nation” stammt aus den alten Zeiten der peinlichen Übersetzungen. Nicht unüblich war auch “Reis der Nation”, “Max Payne” = “Max der Maler” und “Call of Duty” = “Anruf der Betriebszeit”.
Fazit
“Rise of Nations” ist deutlich komplexer als die meisten Genrevertreter, ist allerdings auch sehr durchdacht und leicht zu handhaben. Bis auf kleine Mängel ein wirklich gut gelungens Echtzeitstrategie-Game, welches sich auch heute nicht zu Verstecken braucht. In der “Green Pepper”-Edition gibt es “Rise of Nations” plus Add-on für nur 6,99€. Ein Muss für den Genrefan!
Meine Bewertung: 8/10 Punkte
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1 Kommentar | Einen eigenen Kommentar schreiben
Wie schon irgendwo zuvor erwähnt (ich glaube beim AOE-Post), fand ich RoN immer besser als die AoE-Teile. Man hatte irgendwie einen größeren Überblick über das Geschehen und der Erfolg war weniger von der Start-Umgebung abhängig. Und wie schon damals erwähnt, hat man den kompletten Zivilisationswandel in einem Spiel, allerdings nicht so übertrieben wie bei Empire Earth.
Also ich finde RoN ist wohl das best gebalancte RTS, das mir so untergekommen ist und dazu noch eine große Vielfalt bietet.
13.05.09 17:40 Uhr | | Nach oben
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