“Neverwinter Nights 2″ - Zurück in die Forgotten Realms
PC-Spiele |
29. 03. 2009 |
Schuetti |
“Diablo” und “Baldur’s Gate” waren Ende der 90′er die Wegbereiter zur Wiederbelebung des Genre des Rollenspiels. Ersterer Titel hat dazu den actionreicheren Hack’n'Slay-Weg gewählt, zweiterer verfolgt einen stärkeren Rollenspielaspekt, der auf die Pen-&-Paper-Rollenspiele aufbaut und das “Dungeons and Dragon”-Regelwerk nutzt. Die “Neverwinter Nights”-Reihe brachte nun diese Aspekte der “Baldur’s Gate”-Reihe in die 3. Dimension, verfolgt aber weiterhin das gleiche Konzept der D&D-Regeln in den aktuellen Generationen und spielt ebenfalls in den “Vergessenen Reichen”.
“Neverwinter Nights” wurde hierbei auch von den Machern der BG-Reihe, Bioware, entwickelt, der Nachfolger “Neverwinter Nights 2″ hingegen von Obsidian. Dadurch merkt man in einigen Punkten starke Unterschiede in der Gewichtung einiger Features, aber dazu später mehr.
Die Story
Man beginnt in einem kleinen Dörfchen an der Schwertküste namens Letzthafen als Ziehkind eines Elfen. Als Tutorial kann man seine Fähigkeiten auf dem dortigen Volksfest trainieren, bevor dann die eigentliche Geschichte mit einem Angriff auf das Dorf beginnt. Die Angreifer haben es auf ein Artefakt abgesehen, das allerdings nicht auffindbar ist. Bei diesem Artefakt handelt es sich um den Splitter eines besonderen Schwertes, das im Kampf gegen den Fürst der Schatten während der Schattenkriege zerbrochen ist. Eure Aufgabe ist es nun als Auserwählter die restlichen Splitter und einen Weg das Schwert wieder zusammen zu setzen zu finden und euch dem Fürst der Schatten in den Weg zu stellen. Auf eurer Reise die Schwertküste hinauf trefft ihr auf eine Reihe von weiteren Charakteren, die euch auf eurer Mission beistehen.
Mask of the Betrayer — Das erste Add-On setzt direkt die Story der Hauptkampagne fort. Nachdem der Held im ersten Abenteuer den Fürst der Schatten besiegt hat, erwacht dieser in einer magischen Höhle. Wie er dorthin gelangt ist und was nach dem Sieg genau geschah ist zu Beginn noch unklar. Jedoch ist etwas mit dem Helden geschehen und er hat das zügellose Verlangen Geister zu verschlingen. Auch in diesem Teil der Reihe stehen euch wieder einige Gefolgsleute zur Seite, die ihr während der Suche nach einem Weg den Fluch, der scheinbar auf dem Helden liegt, zu brechen quer durch das Reich Rashemen unterstützen.
Ich persönlich bin kein großer Freund dieser “Chosen One”-Geschichten, da dadurch die freie Entfaltung des Charakters zu stark eingegrenzt ist und man regelrecht in eine bestimmte Rolle gepresst wird. Dies kannte man aus der Hauptkampagne des ersten Teils besser. Dort spielt man einen gewöhnlichen Abenteurer, der als einer von vielen der Stadt Niewinter zur Hilfe eilt.
Storm of Zehir — Das zweite Add-On verfolgt eine komplett neue Story. Man erleidet Schiffbruch und muss sich zunächst gegen feindselige Eingeborene zur Wehr setzen. Daraufhin kann man sich einer Handelsgilde anschließen, die in Chult operiert und deren Aufträge erledigen. Dies ist zwar zunächst nicht wirklich aussichtsreich, aber tut man dies nicht kommt die Story nun mal nicht voran. Später geht man dann Hinweisen auf eine Verschwörung der Yuan-Ti nach, die scheinbar auf Geheiß ihres Gottes Zehir auf Böses aus sind.
Das Ganze ist zu Anfang etwas zäh, aber spätestens, wenn man wieder an die Schwertküste kommt, gewinnt die Story an Fahrt.
Man kann sich zu Beginn eine eigene Abenteurer-Party zusammenstellen und mit dieser die Kampagne bestreiten. Zusätzlich gibt es weitere Gefolgsleute, die sich euch zusätzlich anschließen können, falls man dies wünscht. Hier wird wieder der Ansatz der gewöhnlichen Abenteuer verfolgt, der mir persönlich besser gefällt, da man diese nach Belieben eine eigene Rolle verpassen kann und diese nicht vorgesetzt bekommt.
Die Steuerung, Grafik und der Sound
Wie schon erwähnt ist die NWN-Reihe komplett in 3D. Man kann beliebig zoomen und die Kamera steuern. Es gibt dazu 3 verschiedene Kamera-Modi:
Eine Abenteuer-Perspektive, in der die Kamera dem Charakter von hinten über die Schulter schaut, eine Draufsicht, wie man sie aus dem ersten NWN kennt, bei der die Kamera auf den Charakter zentriert ist, diese aber frei schwenkbar und verstellbar ist, und einen Strategie-Modus, wie man ihn aus diversen RTS-Titeln kennt, in dem die Kamera nicht an der Spielfigur gebunden ist.
Diese ist entweder mit WASD oder per Point&Click steuerbar, je nach dem wie man sich in den jeweiligen Kamera-Modi am wohlsten fühlt.
Mit dem zweiten Add-on kam das Feature der Überlandkarte hinzu. Hier kann man seine Figur auf einer Pseudo-2D-Karte bewegen um an verschiedene Orte zu gelangen, ähnlich der “Final Fantasy”-Reihe.
Die Grafikdetails haben sich im Gegensatz zum Vorgänger deutlich verbessert. War dieser eher auf diese weiter von der Figur entfernten Draufsicht-Kamera ausgelegt und daher nicht so auf Details angewiesen, baut wohl NWN2 stärker auf seinen Abenteuer-Kamera-Modus, um sich wohl mit Titeln wie WoW vergleichen zu können. Dadurch müssen natürlich auch die Objekte von Nahem was hermachen und der Polycount ist deutlich angestiegen. Dazu wird noch eine Breite an Grafikeffekten geboten, wie es zur heutigen Zeit üblich ist. Allerdings führt dies dazu, dass das Spiel auf etwas älteren Computern wahre Ruckel-Orgien auslöst und dadurch auch auf niedrigster Detailstufe kaum spielbar wird. Wer allerdings einen Performancestarken Rechner sein Eigen nennen darf, kann sich auf eine wahre Grafikpracht freuen.
Zum Sound gibt es noch zu sagen, dass Atari es erst vor kurzem geschafft hat eine komplette deutsche Synchro zu liefern, da einige Charaktere in früheren Versionen teilweise noch englische Kommentare zum Besten gaben oder Männer nach dem Patchen plötzlich Frauenstimmen hatten und umgekehrt. Dies ist jetzt allerdings bereinigt. Ansonsten bietet sich das typische Bild, was Spielesynchronisationen angeht. Teils unmotiviertes Sprechen von den vielen bekannten Stimmen der Spielebranche. Beispielsweise besitzt ein Kompagnon aus dem zweiten Add-On die Stimme von Lara Croft aus den neueren Teilen.
Die musikalische Untermalung macht auch was her, wiederholt sich aber auch oft und könnte dadurch teilweise nerven.
Wie funktioniert das jetzt?
Zu Beginn jeder Kampagne steht man vor der Wahl einen vorgefertigten Charakter zu wählen oder sich seinen eigenen Charakter zusammenzubauen. Die zweite Variante ist hierbei natürlich die interessantere der beiden. So kann man zunächst das Geschlecht seines Helden wählen, die Rasse, seine Klasse und an den Werten von Attributen und Fähigkeiten drehen, alles nach den D&D-Regeln, die für das Spiel etwas eingegrenzt wurden. So kann man sehr viel an seinem Charakter herumschrauben, was sich später auf den Verlauf des Spiels auswirkt. Allerdings steht einem immer die Möglichkeit zu Verfügung eine empfohlene Werteverteilung zu wählen, mit der man das Spiel gut bestreiten kann. So ist das Spiel auch etwas für diejenigen, die nicht so tief in die Materie einsteigen wollen, aber trotzdem eine individuelle Note in ihren Charakter bringen wollen. Nun wird der Held noch mit einem Hintergrund versehen bestehend aus Name, Gottheit und Lebenslauf. Dieser Charakter wird dann gespeichert und kann für alle Kampagnen oder Module zum Spielen verwendet werden. Es besteht auch die Möglichkeit seinen Charakter während des Spiels unabhängig vom Fortschritt in einer Kampagne abzuspeichern, um so mit einem höheren Level und ausgerüstet mit bisher gefundenen Gegenständen ein weiteres Spiel zu beginnen.
Hat man nun einen Protagonisten ausgewählt, so muss man sich nun verschiedenen Aufgaben, sogenannten Quests, widmen. Es wird zwischen Haupt- und Nebenquests unterschieden. Hauptquests bringen dabei die Story der Kampagne voran, Nebenquests hingegen nicht, sondern dienen lediglich zum Erhalten weiterer Erfahrungspunkte, die einen das Aufleveln ermöglichen. So ist es ebenfalls flexibel mit welchem Level man das Spiel nun beendet.
Bei der Interaktion mit Nicht-Spielbaren-Charakteren stehen in alter Adventure-Manier mehrere Antwortmöglichkeiten oder Fragen zur Auswahl. Hier kann man seiner Rolle individuell folgen: Ist man nun der gute Held oder der böse Schurke? Je nach dem wie man sich entscheidet, gibt es alternative Storyverläufe und Spielenden. Es kommt auch darauf an wie man mit seinen Mitstreitern umgeht, da sich diese eventuell gegen einen wenden oder man sogar teilweise eine romantische Beziehung eingehen kann.
Trifft man auf Gegner, so kommt der Pen-&-Paper-Einfluss besonders zum Tragen. Hier wird nicht einfach durch wildes geklickte drauflos gehackt, sondern um den Schaden zu bestimmen, werden im Hintergrund abwechselnd die Würfel befragt. Je nachdem welche Ausrüstung man trägt, werden so Verteidigungs- und Angriffwerte ins Ergebnis des Wurfs verrechnet. Oberflächlich merkt man davon allerdings nichts. Die Figuren schlagen je nach Ergebnis lustig drauf los oder weichen aus. So kann ein Kampf schon mal etwas länger dauern, selbst wenn man dem Gegner vom Level her überlegen ist. Natürlich ist man dadurch auch für stärkere Gegner nicht eine zu leichte Beute, da man immer noch auf sein Glück gegen diese im Würfeln hoffen kann.
Langzeitmotivation
Durch die Vielfalt in der Charaktererstellung bietet das Spiel den besonderen Anreiz, den “perfekten” Charakter-Build zusammenzustellen, mit dem man die Eigenschaften der Rassen und Klassen so gut wie möglich ausnutzt. Diese erstellten Figuren kann man wie schon erwähnt in verschiedenen Abenteuern verwenden. Noch dazu gibt es im Netz massig von Fans erstellte Module zu spielen. Das Erstellen solcher Module ist durch die mitgelieferten Werkzeuge relativ einfach und so kann man sich seine eigenen Welten zusammenschustern und wenn man noch tiefer in die Materie einsteigt, sogar eigene Kampagnen bauen. Es stehen einem schließlich sämtliche Möglichkeiten der Entwickler zur Verfügung.
Aber bei Modulen hört es noch nicht auf. Viele Modder bauen selbst Modelle die man in sein Spiel einbinden kann und auch für seine eigenen Module nutzen kann. Insgesamt ist das Spiel wie schon der Vorgänger sehr modding-freundlich, was auch ein Grund dafür ist, dass dieser noch so viel gespielt wird.
Ein weiterer Grund ist sicherlich die Multiplayer-Unterstützung. So kann man gemeinsam mit Freunden im Coop-Modus beliebige Kampagnen und Module spielen, oder seine Helden gegeneinander antreten lassen. Es gibt sogar Server, auf denen sogenannte Persistente Welten laufen, die das Spiel zum MMORPG machen. Die Möglichkeiten sind also fast grenzenlos und das Spielen wird auch nicht so schnell langweilig.
Außerdem sollen auch weitere Add-Ons folgen und ein Adventure-Pack bestehend aus einer neuen Kampagne steht kurz vor dem Release.
Mein Fazit
Bioware hat mit “Neverwinter Nights” und dessen Add-Ons und Premium-Module die Messlatte sehr hoch gelegt. Es war klar, dass Obsidian es nicht schaffen würde alle verfügbaren Möglichkeiten des ersten Teils, die sich mit der Zeit angesammelt haben, in den zweiten Teil zu übernehmen. Noch dazu durch den großen Appetit an Hardware-Performance blieben dann doch viele Fans dem ersten Teil treu, der bis auf die etwas eckige Grafik immer noch mit dem zweiten Teil mithalten kann. Mit den beiden Add-Ons und den bisherigen Patches stellt NWN2 aber ein insgesamt rundes und zeitgemäßes Rollenspielpaket dar.
Wem die herkömmlichen Hack’n'Slays zu stumpf sind, stärker dem Rollenspiel frönen und auf moderne Grafik nicht verzichten möchte, sollte sich NWN2 auf alle Fälle mal ansehn. Wer mit etwas altbackener Grafik zufrieden und noch stärker auf den Pen-&-Paper-Aspekt aus ist, sollte allerdings doch zu NWN greifen. Für Spielleiter steht in beiden Titeln hierfür im Multiplayer auch ein DungeonMaster-Modus zur Verfügung, in dem man noch stärker auf das Spielgeschehen Einfluss nehmen kann.
Auf alle Fälle ist die NWN-Reihe ein Muss für jeden Rollenspiel-Fan. Welchen Teil man dann wählt, ist reine Geschmackssache.
Meine Bewertung: 8/10 Punkte
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Neverwinter Nights 2
Mask of the Betrayer
Storm of Zehir



(2 Stimmen, Durchschnitt: 9/10)












4 Kommentare | Einen eigenen Kommentar schreiben
Kenne bisher nur “NWN 1″ und eins der zwei Add-Ons davon. Kann es aber nur weiterempfehlen. NWN ist gerade für die Leute, die sich von Hackn’Slay zu sehr langweilen. Man bekommt ähnlich wie beim “Pen&Paper” eine komplexe Welt, wo man seinen Charakter entwickeln kann, verschiedene Möglichkeiten neben der Hauptgeschichte weiter verfolgen kann und einfach in die Welt hineintauchen kann. “NWN” war imo leider ein Tick steril von der Grafik, so empfand ich das damals, das ist aber auch der einzige Kritikpunkt des Spiels. Für sein Genre wirklich einer der besten Vertreter.
29.03.09 08:32 Uhr | | Nach oben
Ich habe mehrfach, besonders auf Anraten von SCHUETTI “Newewinter Nights 2″ angezockt, jedoch niemals lange durchgehalten. Als Fan von “Neverwinter Nights 1″ eigendlich eine Schande. Was mich so enttäuscht hat war vor allem die Engine. “NWN 2″ wurde für dne PC programmiert, also konnte man eigendlich erwarten, dass die Performance auch darauf ausgelegt ist. Tja, leider verfehlt: neben einer abgrundtief schlechten Performance sind auch noch die Bewegungsabläufe so schlecht, dass das Spiel für mich leider nie eine Atmosphäre enwickeln konnte. Sehr Schade!
Ich enthalte mich von der Wertung, da ich über die Story nichts aussagen kann.
29.03.09 10:41 Uhr | | Nach oben
@HENNING:
kann dir nur raten das spiel nochmal mit beiden add-ons zu spielen. die macher meinten, dass sie die engine gerade in diesem gesichtspunkt verbessert hätten.
meine wertung bezieht sich hierbei auch auf das gesamt paket nwn2+beide addons+patches. v1.0 wäre bei mir sicherlich nicht so gut weggekommen.
und von der story her ist SoZ mehr der story aus nwn1 ähnlich, also vllt sogar damit anfangen und danach die hk und MotB.
29.03.09 13:39 Uhr | | Nach oben
[...] einiger Zeit ist zu “Neverwinter Nights 2″ ein weiteres kleineres Add-On herausgekommen. Von Atari wird es als “Adventure Pack” [...]
08.07.09 20:56 Uhr | | Nach oben
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