1/10 Punkte2/10 Punkte3/10 Punkte4/10 Punkte5/10 Punkte6/10 Punkte7/10 Punkte8/10 Punkte9/10 Punkte10/10 Punkte (2 Stimmen, Durchschnitt: 9/10)
Loading ... Loading ...

In den 90er Jahren waren die Point-&-Click-Adenventures von LucasArts DIE Computerspiele schlechthin. Und unter diesen hat “Monkey Island” nicht nur die meisten Fortsetzungen bekommen, sondern jene Reihe ist wohl vermutlich auch die erfolgreichste und beliebteste Adventure-Serie aller Zeiten. Denn wer kann sich dem Charme vom sympathischen Möchtegern-Piraten mit dem genial-außergewöhnlichen Namen Guybrush Threepwood, Gouverneurin Elaine Marley und deren ewigen Kampf gegen den Geisterpiraten LeChuck entziehen?

Obwohl die Point-&-Click-Adventurezeit eigentlich vor meiner Zeit gewesen ist und ich sie nur durch verfälschende Kinderaugen miterlebt habe, muss ich sagen, dass diese Art der Spiele auch mich in ihren Bann gezogen hat. Und obwohl Grafik und auch einige Witze inzwischen sicherlich überholt oder wenig einfallsreich wirken (nicht zuletzt durch zahlreiche Kopien), bekommen gerade die ersten beiden Spiele mit ihrer typischen Pixelhaufen-Optik einen ganz eigenen Charme und machen auch heutzutage noch Laune.

Neben dem trottelig-naiven Threepwood, der stets den harten Kerl heraushängen lassen will, seiner Flamme Elaine und seinem Widersacher LeChuck, der mal als Geist, mal als wandelnder Zombie oder auch mit Flammenbart daherkommt, treten viele weitere skurrile Charaktere in den Spielen immer wieder auf: Stan, die Voodoolady, der dreiköpfige Affe oder Herman Toothrot beispielsweise. Genial sind auch immer die Antwortmöglichkeiten von Guybrush. Und man muss schon schmunzeln, wenn man “NEIN!” anklickt und er nur “Hm, vielleicht später” sagt. Herrlich! Alleine der Wortwitz während des “Beleidigungsfechtens” hat es in sich.

Auch die vielen Anspielungen auf andere LucasArts-Klassiker, besonders “Indiana Jones”, sind oft unerwartet und bringen einem zum Lächeln. So beispielsweise, wenn Guybrush ertappt wurde und man die Antwortmöglichkeit “Ich verkaufe diese modischen Lederjacken…” zur Wahl hat, oder wenn im Sumpf im Hintergrund schemenhaft ein X-Wing im Wasser zu erkennen ist.

Und welche Verwirrung kam bei mir während des ersten “Fluch der Karibik”-Trailers auf, hatte ich doch gar nichts von einer “Monkey Island”-Verfilmung gehört! Und man muss schon sagen, dass diese nun so phänomenal erfolgreiche Filmreihe sich verdammt freizügig bei der Affeninsel bedient hat; angefangen mit dem Konzept bis hin zu Details wie der Voodoo-Lady im Sumpf.

Doch nun eine Zusammenfassung der bisher erschienenen vier Teile des Piratenabenteuers:

“The Secret of Monkey Island” (1990)

Der Klassiker und auch der Ursprung des Ganzen. Eine nette Idee, lustige Einlagen und durchaus knifflige Rätsel. Das typische Piratenflair mit viel Ironie, Geistern und teils modernen Gegenständen anzureichern, war einfach ein einfallsreicher Schachzug. Das Spiel ist spannend und witzig zugleich. Ideen wie das Beleidigungsfechten oder der legendäre dreiköpfige Affe sind einfach klasse, und die Landschaften schön anzusehen. Und nicht vergessen: Bleibt ja nicht länger als zehn Minuten im Wasser, bevor ihr das Idol nehmt, denn wer denkt, man könne nicht sterben, wird sonst eines besseren belehrt. Und natürlich passt alles in Threepwoods Tasche, auch der gigantische Bananenpflücker - aber wenn man mit ihm aus dem Gefängnis will, ist er zu groß… schon klar. Und am tollsten ist, dass selbst die Macher nicht wissen, was den nun eigentlich das Geheimnis von “Monkey Island” sein soll: Einer der vielen Running Gags wurde geboren.

“Monkey Island 2 - LeChuck’s Revenge” (1991)

Eine gute und sehr umfangreiche Fortsetzung. Die Bedienfläche reduziert (die neun Buttons sind meiner Meinung nach nun die perfekte Steuerung für ein Point-&-Click-Adventure) und das Inventar nun anschaulich mit Bildern dargestellt. Auch der zweite Teil hat tolle Ideen und ist wirklich sehr lang, gerade im Vergleich zum ersten Teil kommt man an deutlich mehr Orte. Dass die Optik bereits ein kleines bisschen ins comichafte abdriftet, finde ich zwar nicht berauschend, aber okay. Eine tolle Story mit einem spannenden Finale mit unerwarteter Wendung runden das Spiel ab. Und wer kann die wohl kurioseste “Monkey Island”-Stelle vergessen? Ich sage nur, der Brustknochen hängt am Beinknochen…

“The Curse of Monkey Island” (1997)

Nach einer kleinen Pause kommt die Generalüberholung der Serie, ohne jedoch viel an Qualität zu verlieren. Die Pixeloptik der ersten Teile wird durch einen nun sehr comichaften Zeichenstil ausgetauscht, allerdings noch wunderbar in 2D. Die Schaltflächen wurden erneut ein wenig reduziert, und erstmals kann man die Personen nun auch sprechen hören, was ein großes Plus ist: Insbesondere die Synchronstimme von Guybrush passt perfekt und wird gleich akzeptiert. Und auch die Landschaften und Rätsel haben es wieder in sich - sehr schöne, späte Fortsetzung mit Highlights wie “Ich wähle… das Banjo!”, die deutlich macht, dass man solche Spiele tatsächlich in eine neuere Zeit transportieren kann. Kemüse.

“Flucht von Monkey Island” (2000)

Ja, auch hier sind einige lustige Stellen und sehr viele, teils wirklich harte Rätsel zu knacken - nur ist das vielen Fans vorenthalten geblieben, da zwei wesentliche Faktoren den Spielspaß ungemein an den Boden pressen: Die unfassbare Steuerung, die unverkennbar für Konsolen ausgelegt worden ist und nicht vernünftig konvertiert wurde. Bei einem Point-&-Click-Adventure nicht die Maus benutzen zu können, sondern sich auf eine (auch noch sehr nervige) Tastatursteuerung verlassen zu müssen, ist schlichtweg frech von LucasArts. Dadurch haben viele das Spiel schlicht und ergreifend nicht länger als 10 Minuten durchgehalten, da es einfach quälend ist. Und obwohl die Hintergründe noch zweidimensional und teilweise wirklich hübsch gemacht sind, ist das dreidimensionale Aussehen der Figuren furchtbar. Noch viel mehr überzogener Comiclook, nahezu keine Texturen und viel zu stilisierte Gesichter. Das wirkt ein wenig so, als wäre man nicht fertig geworden. Dummerweise ist auch sofort erkennbar, welche Gegenstände im jeweiligen Bild bewegt werden werden und welche nicht (Unterschied 2D-Hintergrund - 3D-Gegenstände). Dennoch hat auch dieses Spiel schöne Ideen und Orte, auch wenn die modernen Dinge aus unserer Welt nun schon viel zu oft vorkommen und auch alte Personen und Running Gags langsam überstrapaziert werden und ein wenig gekünstelt wirken. Und auch der “Monkey Combat” war nicht so gelungen, das Ende auch nicht, generell gab es so einige Storyschwächen… alles in allem also enttäuschend. “Aber es ist rosa!”

Nach dieser kleinen Zusammenfassung stellt man sich natürlich folgende Frage: Was ist mit “Monkey Island 5″? Doch anscheinend ist dies sogar für eine ferne Zukunft angedacht (die Rede war einmal von 2015), doch aktuell ist trotz des wiederbelebten Piratenhypes nichts in Arbeit. Unter anderem, weil Teil 4 nicht so erfolgreich gewesen ist (welch Wunder bei solch fatalen Fehlern). Aber schon die Voodoo-Priesterin hat behauptet, einen Vertrag für fünf Spiele zu haben, insofern sind wir gespannt.

Zusammenfassend kann ich nur sagen: “Monkey Island” hat genau meinen Nerv getroffen, besitzt es doch eine spannende Abenteuergeschichte mit Piraten, übernatürlichen Elementen, Rätseln, Ironie und jeder Menge lustiger Kleinigkeiten. Auch die unverkennbare musikalische Untermalung überzeugt, auch die Hintergründe sehen meistens einfach traumhaft aus. Bis auf den vierten Teil kann ich die Reihe definitiv jedem empfehlen, der Spaß am Rätseln hat und sich nicht von (ur)alter Grafik abschrecken lässt. Und wer sich das entgehen lässt, ist kein mächtiger Pirat, sondern kämpft wie ein dummer Bauer und kann vermutlich nicht mal 10 Minuten die Luft anhalten…

Und wer sich nicht mehr genau an die Geschichte des ersten Teils erinnern kann, kann sich ja diese hier noch mal anschauen: “Monkey Island”-Kurzfassung

Verwandte Artikel