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LOSTEs gibt wohl kaum eine Serie über der die Meinungen so auseinander gehen. Die einen finden sie einfach nur blöd, weil zu verwirrend und an den Haaren herbeigezogen, und die anderen können gar nicht genug davon bekommen in jeder Folge weitere Hinweise für später eintretende Ereignisse zu suchen. Die Rede ist von “Lost”. Es ist also kein Wunder, dass bei so einer großen Fan-Gemeinde auch irgendwann ein Videospiel auf den Markt geworfen wird. Dies war Anfang letzten Jahres der Fall. Ich habe es mal gewagt und mir vor kurzem die PC-Version zugelegt.
Zugegeben, solche Serien- oder auch Film-Umsetzungen sind meist recht schlecht und ohne Sorgfalt gemacht, aber da versprochen wurde, dass die Ereignisse der ersten beiden Staffeln noch mal aus anderer Sichtweise beleuchtet würden, konnte ich einfach nicht widerstehen, auch wenn ich schon im Vorfeld nicht besonders viel Gutes über das Spiel gehört habe.

Die Story

Wie schon erwähnt, wir befinden uns mit den anderen Losties auf der Insel und sind ein weiterer Überlebender des Flugs 815. Man spielt also keinen aus der Serie bekannten Charakter sondern erlebt ein völlig eigenständiges Inselabenteuer. Dabei geht es darum sein verlorenes Gedächtnis wiederzugewinnen und einen “Via Domus”, einen Heimweg, zu finden.
Das Spiel ist in 7 Episoden aufgeteilt, die jeweils wie Folgen der Serie aufgemacht sind. Dabei bestehen sie aus dem berühmt berüchtigten “Bisher bei Lost”, einer kurzen Einführungsszene (oft auch spielbar), dem heranfliegenden Lost-Schriftzug, der eigentlichen Episode und dem abschließendem Lost-Schriftzug. Hier ist schon der erste Kritikpunkt: Man kann Zwischensequenzen (Und somit auch “Bisher…”) nicht abbrechen, was auf Dauer nervig sein kann.

Die Grafik

Die Umgebeung sieht recht ordentlich aus. Der Dschungel ist hübsch gestaltet, vollgestopft mit Lianen, Gräsern und anderem Grünzeug, so dass man unausweichlich die Orientierung verlieren muss.
KateDie Charaktere sind auch recht detailreich und man erkennt diese auf jeden Fall wieder. Was mich allerdings sehr gestört hat, waren die Bewegungsabläufe der Akteuere. Die wirkten doch schon sehr marionettenartig und unschön.
Zudem scheint die PC-Version nicht über das volle Effekt-Potenzial zu verfügen. Obwohl ich auf höchster Grafikqualität gespielt habe, waren die Lichteffekte doch recht mager. Das fiel besonders auf, wenn zwischendurch vorgerenderte Zwischensequenzen in Spielgrafik auftraten, die dann doch stärker auf den Grafikputz gehauen haben.

Die Steuerung

Was soll man noch anderes sagen als Konsolenportierung. Man kann sich zwar die Tasten nach belieben umstellen, es gibt jedoch zwei “Haupttasten” die mit jedem Mist belegt werden. Mal ist es Zoomen, mal Agieren, mal Springen, mal Schießen, je nachdem was grad gebraucht wird. Das hätte man wirklich besser lösen können.
Außerdem ist das Bewegen in vielen Situationen sehr hakelich. Noch dazu klebt die Kamera förmlich an einem, dass man besonders in engeren Räumen (wie den DHARMA-Stationen) bloß noch seinen Rucksack sieht. Dafür gibt es dann die Ego-Perspektive, in der man sich dann aber wieder nicht fortbewegen kann.
Wenn man dann auch noch schießen soll (wobei ich im Spiel nur vier Schüsse abgegeben habe, da man nur in bestimmten Gebietsabschnitten von der Schusswaffe Gebrauch machen darf), wird die Mausempfindlichkeit plötzlich so derbe nach unten geschraubt, dass man wirklich merkt, dass man ein Konsolenspiel vor sich hat. Mit schnellem Zielen hat das nichts mehr zu tun.

Der Sound

In der deutschen Version sind auch alle deutschen Synchronsprecher vertreten. Man hört zwar, dass es sich nicht um die Serie handelt, sondern bloß um ein Videospiel, aber allein, dass die bekannten Stimmen dabei sind, ist schon toll.
Auch die musikalische Untermalung ist grandios. Es treten sogar eigens für das Spiel komponierte Stücke auf.

Der Spielablauf

Wie weiter oben schon gesagt, geht es darum, seine Erinnerungen und den Weg nach Hause zu finden. Dabei wird man vor verschiedene Aufgaben gestellt, die man auch immer ordentlich in seinem “Quest-Log” nachlesen kann. Das macht das ganze sehr linear. Man fühlt sich eigentlich wie in einer interaktiven Lostfolge, was sicherlich aber auch beabsichtigt war. Für einige Aufgaben werden bestimmte Gegenstände gebraucht (bspw. für das Durchqueren von dunklen Orten Fackeln), die man bei den anderen Losties für Früchte oder Ähnliches ertauschen kann. Diese Tauschgüter laufen einem immer wieder über den Weg und im Laufe des Spiels hat man schnell genug zusammen, um sämtliches Inventar der “Händler” leer zu kaufen.
Unterbrochen wird das lustige Adventure-Herumwuseln auf den Schauplätzen der Insel durch zweierlei Dinge: Erinnerungssequenzen und Schaltkreisrätsel.
In Erinnerungssequenzen geht es darum ein vorher gezeigtes zerrissenes Foto am Ursprungsort der Aufnahme erneut aufzunehmen. Dazu kann man sich meist an diesen Orten frei bewegen, um den richtigen Bildausschnitt zu finden. Oft kommt es auch darauf an, wann man das Foto schießt, weil einige Details nur zu einem gewissen Zeitpunkt sichtbar sind. Außerdem muss man auch selbstständig die Schärfe des Fotos einstellen, um auch die richtige Ebene zu erwischen. Alles in allem sind diese Sequenzen reine Schikane, da man oft nur durch die Gegend rennt und wild Fotos schießt, weil man einfach nicht weiß, was man nun genau zu fotografieren hat.
Noch schlimmer sind allerdings die Schaltungsrätsel. In solchen Rätseln geht es darum an bestimmten Punkten eine gewisse Spannung zu erreichen. Dafür muss man in einen schon bestehenden Schaltplan an bestimmten Orten Kurven, T- oder X-Kreuzungen einfügen, die jeweils verschiedene Spannungsabfälle zur Folge haben. Diese kleinen Rätsel, die öfter vorkommen als man glauben mag, machen wohl die größte Spielzeit aus, da man dort stundenlang rumprobieren kann, bis man nun die Richtige Kombination gefunden hat. Noch dazu steht einem auch ein individueller Vorrat dieser Bauelemente zur Verfügung, da man sich auch solche ertauschen kann und zu Genüge findet.
Wie von Konsolenspielen üblich gibt es auch bei “Lost” nur Checkpoints. Diese sind meistens an Ladescreens gekoppelt. Falls also direkt nach diesem Ladescreen eine Cutscene folgt muss man sich diese immer wieder ansehn (da man diese wie oben erwähnt nicht abbrechen kann), bevor man endlich erneut sterben und laden kann.
Ja, man kann sterben. Haupttäter ist hierbei das Rauchmonster, aber auch die “Anderen” und das mysteriöse Flüstern können einem zu dicht auf die Pelle rücken.

Langzeitmotivation

Man hat das Spiel in höchstens zwei Tagen durchgespielt. Es geht sicherlich noch schneller, wenn man nicht schon über eine halbe Stunde an diesen Schaltungsrätseln sitzt.
Es gibt einige Objekte im Spiel, die, wenn man diese richtig fotografiert, Artworks freischalten. Auf der XBOX-360 erhält man hierfür die begehrten GamerScore-Punkte. Es können ebenfalls geheime DHARMA-Stationen besucht werden, Spoiler anzeigen

die extrem gut versteckt sind. Ansonsten bietet das Spiel keinen großen Anreiz sich nochmal an die Episoden zu setzen, die vom Titelbidschirm einzelnd anwählbar sind.

Bezug zur Serie
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Die Handlung spielt während der ersten beiden Staffeln der Serie. Dies erkennt man auch an einigen Stellen durch bekannte Ereignisse, jedoch erfährt man sonst nicht sonderlich viel mehr und man muss sich alle Mühe geben zu erkennen, wann man nun eigentlich ist. Man sollte das Spiel also nicht als Einstieg ins Lost-Universum nutzen.
Was ebenfalls unangenehm auffällt ist, dass es nur eine Handvoll Charaktere ins Spiel geschafft haben. Im Strandcamp sitzen immer die selben 8 Personen und ab und zu trifft man noch einige wenige weitere der Stammbesetzung. Red-Shirts oder Passagiere des Heckteils trifft man gar nicht.
Wie es für Umsetzungen meist üblich ist, wird das, was man in der Serie gesehn hat noch etwas erweitert. Dies geschieht auch hier, wobei man sich dann natürlich fragen muss, besonders bei so einer Serie wie “Lost”, wo jedes kleinste Detail von größter Bedeutung sein kann, in wiefern sich das ganze mit dem Grundplan der Serie deckt. Man gelangt zum Beispiel an einen Ort, Spoiler anzeigen

über den inzwischen nach der ersten Hälfte von 5. Staffel bereits andere Vermutungen angestellt werden. Allerdings gibt es auch Anzeichen dafür, dass die Game-Designer schon etwas weitreichendere Informationen hatten, als zum Relaese-Termin (26.02.08) bekannt war: Spoiler anzeigen Damit bleibt offen, wie man nun das deuten soll, was man im Spiel zu Gesicht bekommen hat, vor allem in Bezug auf die, in der Serie kaum erwähnte Hanso Foundation.

Fazit

Das Spiel ist eigentlich nur was für “Lost”-Fans. Und selbst dann sollte man sich den Kauf doch überlegen. Es ist zwar ganz lustig an Orten herumzulaufen, die man aus der Serie nur ansatzweise kennt und die Story, die scheinbar noch mit durch das Alternate Reality Game “The LOST Experience” beeinflusst wurde, aus einer anderen Perspektive zu sehen, aber den großen AHA-Moment hatte man nun nicht, wobei das, was man erlebt schon recht atmosphärisch in Szene gesetzt ist.
Es gibt das Spiel inzwischen für etwa 10€ als Budget-Edition, was einen dann doch dazu bewegen kann, dem ganzen mal eine Chance zu geben. Ein Pflicht-Titel ist das Spiel auch für “Lost”-Fans allerdings nicht.

Meine Bewertung: 5/10 Punkte

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