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Zur Zeit wieder ein wenig in Stimmung für die guten, alten Point&Click-Adventures von LucasArts, habe ich mich wieder einmal einem heißen Kandidaten für das beste Adventure überhaupt gewidmet, dem wahren “Indy 4″: “Indiana Jones and the Fate of Atlantis” (was merkwürdiger Weise nie eine deutsche Titelentsprechung bekommen hat). Dieses Abenteuer unseres bekannten Archäologen mit der Peitsche war sein erstes PC-Abenteuer, welches eine von den Filmen völlig neue und unabhängige Storyline enthielt. Diese dreht sich, unschwer durch den Titel zu erahnen, um Atlantis’ Schicksal. Das Spiel stammt aus dem Jahr 1992 und ist auch grafisch somit eines der besten LucasArts-Adventures überhaupt.

Die Story: Wettlauf zum verschollenen Eingang von Atlantis

Deutsche Wissenschaftler kommen einem mysteriösen Metall auf die Spur, dem Orichalcum; welches bereits Plato mit Atlantis in Verbindung gesetzt hat. Indiana Jones erfährt natürlich von den Plänen der Nazis und macht sich ebenfalls auf die Suche nach der berühmten untergegangenen Stadt. Unterstützung erhält er dabei von Sophia Hapgood, einem auf dem Atlantis-Gebiet versiertem Medium und einer alten Flamme von ihm. Unserem abenteuerlustigen Professor steht nun eine Suche bevor, die ihn wieder einmal durch die ganze Welt treibt; von südamerikanischen Pyramiden, Wüsten, isländischen Höhlen, unterirdischen Labyrinthen und einigen Inseln im Mittelmeerraum wie Kreta, wo irgendwo anscheinend der Eingang zu Atlantis liegen soll…

Beeindruckendes Landschaftsdesign

Im Gegensatz zu vielen anderen LucasArts-Adventures ist man hier Gott sei Dank in keiner Weise dem Comic-Design verfallen und hat auf ein realistisches Design gesetzt, welches auch schon deutlich detaillierter als “Last Crusade” ist. Für die damalige Zeit sind dabei wirklich atemberaubende Landschaften erschaffen worden, die einen auch heutzutage immer noch begeistern können und sehr abwechslungsreich sind: Ausgrabungsstätten auf Kreta, minoische Labyrinthe oder schließlich das umwerfend gelungene Atlantis überzeugen grafisch sofort. Atlantis selbst wird als gelungener Mix zwischen futuristischen Elementen und minoischen Stiermotiven dargestellt, dennoch wirkt es halbwegs glaubhaft und kaum übertrieben. Deutlich wird auch, dass man sich viel Mühe bei der Recherche gegeben hat; nicht nur in Sachen glaubhaftes Design (Stiermotive in Atlantis aufgrund von minoischer Verbindung), auch die Arbeit mit Platos Dialog und seinen Beschreibungen zu Atlantis, so beispielsweise den drei Steinen, dem Orichalcum oder der ringförmigen Atlantisstruktur, lassen einem das Spiel schlüssig erscheinen.

Die perfekte Mischung

Auch kommt der typische Indy-Wortwitz nicht zu kurz und man kann des Öfteren schmunzeln. Das Ganze mit teils wirklich knackigen und einfallsreichen Rätseln versehen, tollen Orten und einer spannenden Thematik verknüpft, lassen den Spieler voll und ganz in die Welt unseres Hutträgers eintauchen und akzeptieren es als würdiges “Indy 4″. Aber auch als Nicht-Indy-Fan müsste dieses Spiel jedem Point&Click-Adventure-Fan Spaß machen. Die Steuerung über die typischen neun Aktionsknöpfe (Nimm, Drücke, etc.) und das Inventar schön mit Bildern gestaltet, befriedigt eigentlich alle Wünsche und ist in meinen Augen die perfekte Möglichkeit, ein Point&Click-Adventure zu spielen.

Lieber rätseln oder prügeln?

Sehr gelungen sind auch die drei alternativen Lösungswege für den Mittelteil des Spiels: Man kann sich entscheiden zwischen dem Rätselweg, dem Teamweg oder dem Actionweg. Die jeweiligen Unterschiede werden im Namen schon recht deutlich, aber es steckt noch mehr dahinter. So kommt man bei den verschiedenen Wegen nicht zwangsläufig zu den gleichen Orten; die Rätsel sind ebenfalls nicht immer identisch, sondern teils sehr unterschiedlich. So gelangt man z.B. bei einem Weg über ein großes Labyrinth mit Eingang auf Kreta zum unterirdischen Atlantis; in einem anderen Weg muss man von einem Schiff aus tauchen. Doch auch außerhalb dieser drei großen, unterschiedlichen Wege gibt es Alternativen; auch das Ende ist davon abhängig, ob man Sophia aus dem Gefängnis und von ihrer Besessenheit befreien konnte oder nicht.

Diese unterschiedlichen Wege erhöhen den Wiederspiel-Faktor extrem und man kann sich freuen, dass die Entwickler sich solche Mühe gemacht haben.

“PC-Indy 4″ vs. “Kino-Indy 4″

Bleibt zum Schluss eigentlich nur zu sagen, dass es schade ist, dass sie dieses “Indy 4″ nicht auch zum “Kino-Indy 4” gemacht haben. Die Thematik um Atlantis, die tollen verschiedenen Orte rund um das Mittelmeer (was in den Filmen auch noch nicht zu sehen war), hätten sich meiner Meinung nach angeboten. Und interessanter Weise greift der Film ja auch dieses Götter-Übermenschen-Thema auf, ebenso die spirituellen Eigenarten der weiblichen Hauptperson, die im Film allerdings nur angedeutet werden, aber völlig belanglos sind. Doch irgendwie kann man den Götter-Faktor in “Fate of Atlantis” akzeptieren, ist es da noch verhältnismäßig subtil und interessant aufbereitet, im Film hingegen ist es fürchterlich platt in Standard-Aliens geändert worden. Sehr schade. Dieses Spiel in abgewandelter Form auf der Leinwand zu sehen, hätte mich (und die meisten anderen vermutlich auch) sehr gefreut. Doch dieser Zug ist leider abgefahren und man muss mit einem in meinen Augen missratenen vierten “Indiana Jones”-Film leben.

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass “Fate of Atlantis” für mich eines, wenn nicht DAS beste Point&Click-Adventure überhaupt ist (Konkurrenz bietet höchstens “Monkey Island“). Als solches ist es spannend und mit teils recht harten Rätseln versehen, die Orte und Recherche überzeugen sofort und lassen das Herz jedes Fans von Dr. Jones höher schlagen. Bei diesem Spiel stimmt meiner Meinung nach fast alles. Schade, dass es auch das einzige Point&Click-Adventure unseres Archeologen geworden ist und folgende Spiele eine immer geringere Tendenz zu Rätseln und eine immer größere Affinität zu Jump&Run und Action aufweisen. Von mir gibt es für “Indy 4″ also eine klare Spielempfehlung für jeden, der sich nicht von der Pixelgrafik abschrecken lässt, denn für Rätsel- oder Abenteuerfreunde ist dieses Spiel noch immer absolut spielenswert; für Indy-Fans ohnehin. Beide Daumen nach oben!

Meine Bewertung: 9,5/10 Punkte

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