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Vergangenen Dienstag ist der fünfte Teil der Adventure-Reihe “Monkey Island” erschienen. Der Unterschied zu seinen Vorgängern ist, dass dieser Teil ausschließlich zum Download bereit steht und aus fünf monatlich erscheinenden Episoden besteht. Zu Erwerben sind die Episoden allerdings nur als Bundle und so kauft man mit der ersten Episode auch gleich die folgenden Episoden des Spiels, die dann in den folgenden Monaten erscheinen werden. In der Tat etwas riskant, da man ein wenig die Katze im Sack kauft. Daher hier mein Ersteindruck vom Spiel aufbauend auf dem ersten Kapitel: “Launch of the Screaming Narwhal”.

“How difficult is it to Escape From Monkey Island™?”
Zuallererst hieß es für mich meine Wissenslücke in Sachen “Monkey Island”-History zu füllen. Ich habe “Flucht von Monkey Island” nie durchgespielt, da die Steuerung dermaßen misslungen war, dass ich mich mit ihr überhaupt nicht anfreunden konnte. Man merkte richtig, dass dies das erste “Monkey Island” für eine Konsole war. Nun gut, glücklicherweise gibt es ja das U-Tube. Hier kann man sich ein komplettes Walkthrough mit fast allen verfügbaren Gesprächsoptionen ansehen. Sechs Stunden später war ich dann up to date und bereit mir den neuen Teil zur Brust zu nehmen.

“Impressed, yet?”
Aber Moment! Ich wollte mir natürlich auch nicht die oben erwähnte Katze im Sack kaufen. Aber da hat Telltale Games mitgedacht. Der Entwickler hält auf der offiziellen Seite eine Demo zum Download bereit. So kann man selbst einen kleinen Eindruck vom Spiel gewinnen, indem man den kürzeren Prolog spielen kann. Das lohnt sich sogar, wenn man sowieso vor hat das Spiel zu kaufen, da am Ende der Demo die Handlung auf einfallsreiche Weise unterbrochen wird.
Nun musste ich allerdings feststellen, dass “Tales of Monkey Island” wieder kein reines Point’n'Click-Adventure ist! Gesteuert wird Guybrush wie im Vorgänger mit der Tastatur. Nur die Interaktionen werden dann mit der Maus durchgeführt. Ich hätte zwar ein reine Maussteuerung bevorzugt, da man sich dann einfach mal zurücklehnen und durch die Gegend klicken kann, aber unerträglich ist das ganze so auch nicht.
Insgesamt hat mich die Demo dann aber doch überzeugt, allein schon weil ich wissen wollte wie’s weiter geht.

“A Deal? Okay, but no blood signatures.”
“Tales of Monkey Island” kann man auf diversen Download-Plattformen käuflich erwerben, allerdings wird keine deutsche Lokalisierung angeboten. Ich habe mich für die Variante entschieden direkt bei Telltale zu bestellen, da diese erfreulicherweise PayPal akzeptieren. Dort werden die Episoden im Bundle für knapp 35$ angeboten (umgerechnet etwa 25€), wobei man sobald alle Episoden erschienen sind noch eine Collector’s-DVD zugeschickt bekommt. Außerdem gibt es noch für kurze Zeit einen Gratis-Gutschein für eine beliebige Episode eines weiteren Adventures aus dem Hause Telltale dazu. Da konnte ich dann nicht mehr Nein sagen.

“I’m Guybrush Threepwood, Mighty Pirate!™”
Die Story setzt mitten im Geschehen ein. Der Geister/Zombie/Dämonen-Pirat LeChuck ist mitten in der Ausführung seines üblen Plans, als man als Guybrush eingreift und dem Treiben ein Ende setzt. Zugegeben, es läuft nicht alles wie geplant und so wird man durch eine Explosion vor die Küste von Flotsam Island katapultiert. Dort angespült muss man nun einen Weg von der Insel finden, da ungewiss ist, was nun aus Elaine, LeChuck und den vielen Affen geworden ist. Das stellt sich als schwieriger heraus, als es klingt, da der Wind allein in Richtung Insel weht und das Auslaufen eines Segelschiffs unmöglich macht. Und so ist die Aufgabe des ersten Kapitels einen Weg zu finden, die Windverhältnisse zu verändern und die Screaming Narwhal zu starten.
Das Ganze wird dann noch von einer wild gewordenen Hand erschwert, …also Guybrush’s Hand, …also Guybrush’s verfluchte Hand. Also Guybrush’s Hand wurde beim Kampf mit LeChuck mit einem Fluch belegt. Denn durch eine kleine Änderung in Guybrush’s Plan LeChuck zu vernichten, hat er diesen in eine Menschen verwandelt und das Übel, das von LeChuck abgelassen hat, droht nun die gesamte Karibik als Epidemie zu verseuchen, angefangen mit der Hand von Guybrush. Und so ist auch schon bekannt, was nun in den folgenden Episoden zu tun ist: Guybrush’s Hand vom Fluch und die Karibik von den LeChuck-Pocken befreien. Nebenbei sollte man aber auch noch ein Auge auf Elaine haben, da der nun menschliche LeChuck erneut Annäherungsversuche startet.

“This’ll be a snap! A snap. A sna-OW!”
Wie oben schon erwähnt, ist die Steuerung ein Mix aus Point’n'Click und Tastatur. Ich schätze mal, man hat sich für diese Variante entschieden, da es sich so auf der Wii am besten spielen lässt, mit der einen Hand steuern und mit der Wii-mote interagieren. Ist allerdings nur eine Vermutung meinerseits.
Natürlich schleppt unser großer Pirat auch wieder aller Hand Zeug mit sich rum. Das Inventar kann hierzu entweder per Tastendruck oder am rechten Bildschirmrand aufgerufen werden. Dort besteht auch die Möglichkeit Objekte zu kombinieren und näher zu betrachten. Um Objekte mit der Umwelt in Kontakt zu bringen wählt man diese zunächst im Inventar aus, woraufhin sich der Cursor zum gewählten Objekt ändert und man wie gewohnt interagieren kann. Ingesamt ein für heutige Adventures übliches System.
Die grafische Gestaltung ist sicher Geschmackssache. Ich finde die Figuren und Objekte doch sehr grob modelliert. Man kann natürlich sagen, das ist nun mal der Stil, den das Spiel verfolgen will, aber oft sind die Objekte teilweise doch so eckig, dass sie so aussehen, als könnten sie aus dem letzten “Monkey Island”-Teil stammen. Lässt man sich darauf ein und achtet nicht so auf Details, so bekommt man doch ein paar hübsche, mit Liebe gestaltete Orte zu sehen. Außerdem sind diese musikalisch gut, wie gewohnt unterlegt.
Die Rätsel sind nicht zu leicht und nicht zu schwer. Man muss wieder oft absurd um die Ecke denken und manchmal auch wild rumprobieren, um hinter die Lösung zu kommen. Aber durch helfende Kommentare und Vorschläge sind die meisten Rätsel kein Problem. Was mir etwas missfallen hat, ist, dass Guybrush oft etwas anderes sagt, als eigentlich als Antwortoption in einem Gespräch zur Verfügung steht, oft so, dass es egal ist, was man überhaupt auswählt. Da hätte man dann doch die Auswahl einfach weglassen können, anstatt dem Spieler vorzugaukeln er hätte großen Einfluss auf den Verlauf des Gesprächs.

“I don’t really have the education, jacket, or fedora to properly interpret ambiguous ancient carvings.”
Die größte Befürchtung war wohl, ob der alte “Monkey Island”-Humor wieder rüberkommt. Es hätte zwar etwas mehr sein können, aber es gibt wieder genug interessante Objekte, Anspielungen und Sprüche, über die man mindestens schmunzeln kann. Auch die schon angesprochenen absurden Lösungen von Rätseln sind wieder vertreten. Vom Kaliber “Benutze Affe mit Mutter” sind diese allerdings noch nicht, was vielleicht auch besser ist.
Auch die Gespräche sind etwas kürzer als z.B. im Vorgänger. Nur selten hat man mehr als vier Antwortmöglichkeiten zurzeit und pro Gespräch meist nur um die zwei ‘Ausgangspositionen’ zum Antworten. Ich hätte mir oft ein paar längere Gespräche gewünscht, die einfach völlig irrelevant für den Verlauf der Story sind und nur der Belustigung dienen. Alles ist ziemlich auf den Punkt gebracht, wobei ab und zu ein paar lustige Sprüche mit eingestreut werden.
Man rollt sich zwar nicht vor Lachen auf dem Boden, aber langweilig wird es sicherlich nicht.

“It’s a mysterious chest that I won’t be opening in this episode.”
Die fünf Episoden sind wie schon erwähnt handlungstechnisch mit einander Verknüpft. Kapitel 1 endet somit mit einem Cliffhanger. Rätseltechnisch wirkt das Kapitel aber schon abgeschlossen. Man sammelt kaum Objekte auf, die man ausschließlich erst zu einem weit späteren Zeitpunkt im Spiel benötigen könnte. Es hat bisher den Anschein, als werden die Episoden stark von einander abgegrenzt. Noch dazu kam mir die Spielzeit auch etwas kurz vor. Für den Preis zwar sicherlich angemessen, aber wie schon gesagt, durch ein paar längere Gespräche hätte man das doch noch etwas füllen können.
Natürlich ist “Launch of the Screaming Narwhal” erst der Anfang und das Ganze muss erst ins Rollen kommen. Nach dem Spielen des ersten Kapitels würde ich eine Wertung von 7,5-8 Punkten geben. Allerdings wollen wir doch nichts überstürzen und da die Episoden als Gesamtspiel verkauft werden, folgt die finale Wertung erst nach dem Erscheinen der letzten Episode bzw. der Collector’s DVD.
Also Fans von “Monkey Island” können ruhig schon zugreifen. Als ein Muss würde ich es jetzt nicht bezeichnen, aber ein gelungenes Wiedersehen mit Guybrush und co kann man es schon nennen.

Bildergalerie (zum Vergrößern anklicken)

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