“Diablo 2″ - Finsteres Kult-Rollenspiel
PC-Spiele |
12. 03. 2009 |
Threepwood |
“Diablo 2″ ist ein Phänomen, welches bis heute eine große Fangemeinde fasziniert. Obwohl nun schon fast 10 Jahre alt (2000 erschienen), begeistert es noch viele Fantasyfreunde und schafft es, sich von den zahlreichen Kopien abzuheben und eine ganz eigene Welt zu kreieren, die auch ohne Elfen mit spitzen Ohren und Riesenpilzen auskommt und sich so angenehm von “World of Warcraft”, Blizzards anderem großen Fantasyprojekt, abhebt. Das düstere Szenario, abwechslungsreich beeinflusst vom Mittelalter, dem ägyptischen Altertum, südamerikanischen Hochkulturen und nordischen Sagen hat bis heute eine ganz eigene, faszinierende Atmosphäre.
Die Story: Zwischen Himmel und Hölle
Die Story knüpft zwar an den Vorgänger an, allerdings muss man diesen nicht kennen, um “Diablo 2″ zu verstehen. Sich noch immer am Leben haltend treibt Diablo erneut sein Unwesen in der Welt Sanktuario (sehr nett auch die Idee, dass Diablo am Ende vom ersten Teil in den Körper des damaligen Helden geht und man somit quasi gegen diesen im zweiten Teil spielt) und stürzt dieses in Angst und Schrecken. Als alter Wanderer zieht er durch die Länder, um seine zwei Brüder Baal und Mephisto zu befreien, auf dass die so genannten drei großen Übel wieder vereint seien. Erneut ist man als Held stets auf dessen Spuren. Ziel ist, die Seelensteine der drei in der Höllenschmiede zu zerstören, um die Brüder endgültig zu vernichten. Unterstützt wird man dabei sowohl von den Horadrim als auch vom Erzengel Tyrael. Die Jagd nach Diablo führt einen durch zahlreiche Katakomben und Höhlen, Wüstenlandschaften, Paläste, Tempel, den Regenwald und schließlich in die Hölle selbst, wo man letztlich dem Fürst des Schreckens gegenübersteht…
Die Story ist einerseits recht simpel gehalten, dann allerdings teilweise unerwartet tiefgehend und in meinen persönlichen Augen genug Stoff für einen guten Film hergebend. Im ersten Akt noch weitgehend auf die Säuberung der Kathedrale von Andariel beschränkt, läuft die Geschichte im zweiten Akt zu Höchstformen auf und man erfährt Hintergrundwissen über die drei Brüder und ihre Pläne, den Magier Tal Rasha, die Horadrim, den Konflikt zwischen Himmel und Hölle (der allerdings nicht religiös anmutet) und die Seelensteine.
Bahnbrechende Videos
Die Handlung wird einerseits von den Charakteren im Spiel erzählt, andererseits durch die Videos, die zwischen den einzelnen Akten präsentiert werden. Hier erfährt man von Marius, dem unfreiwilligen Gefährten Diablos und seinen Erlebnissen. Der Spieler sieht in diesen Videos entweder bereits Vergangenes oder Zeitgleiches ablaufen.
Diese Videos waren für die Zeit bahnbrechend und fast schon fotorealistisch. Diese unfassbar aufwendigen Videos alleine dauern inklusive Add-On 27 Minuten und bilden für Fans ein eigenes, kleines Meisterwerk.
Grafik
Das Spiel hat mit dem Add-On nur eine Auflösung von 800×600 und ist 2-dimensional. Was mich beides allerdings in keiner Weise stört; im Gegenteil: Durch Zweiteres besitzt das Spiel immerhin eine gewisse Unverkennbarkeit und wirkt nicht wie jedes x-beliebige 3D-Spiel. Hat man erstmal angefangen zu spielen, stört einen die Grafik bald kein Stück mehr; die Landschaften sind in meinen Augen auch hervorragend in Szene gesetzt und die 2-Dimensionalität erleichtert die Orientierung und Handlung ungemein. Nervenkitzel kommt auch durch die isometrische Ansicht zustande, die einen zum Voranschreiten zwingt, ohne dass man genau sehen kann, was auf einen zukommt.
Spielprinzip
Man hat die Wahl zwischen sieben Charakterklassen (inklusive Add-On), die alle sehr unterschiedlich aufgebaut und spezialisiert sind: Barbar, Amazone, Totenbeschwörer, Zauberin, Paladin, Druide und Attentäter. Alleine diese Fülle war zum Erscheinungstermin enorm.
Tötet man Monster und löst man Quests (sechs Stück pro Akt), erlangt man Erfahrungspunkte. Ist die Erfahrungsleiste voll, steigt man eine Stufe und teilt fünf neu errungene Punkte auf Stärke, Geschicklichkeit, Energie und Mana; außerdem einen Punkt auf die Fertigkeiten. In meinen Augen ist dieses System hervorragend; es gibt genügend Variablen zu bedenken und Abwechslungen (alleine die Menge der Gegenstände ist riesig), dennoch ist das System klar strukturiert und nicht zu komplex, sodass man stets genau erkennen kann, welche Auswirkungen ein Gegenstandswechsel oder Charakteraufstieg zur Folge hat. Das Spiel trifft in meinen Augen das perfekte Verhältnis zwischen Komplexität und Überschaubarkeit. Was bringt mir ein Spiel mit unzähligen Beeinflussungen auf die Werte des Helden, wenn nicht mehr nachvollziehbar ist, wie diese sich denn nun konkret auswirken?
Es geht also, wie inzwischen in wohl jedem Fantasyrollenspiel, darum, seinen Helden möglichst gut auszustatten und hochzuleveln. So speichert man auch nicht das Spiel, sondern nur den Charakter und die Wegpunkte, was einen zusätzlichen Reiz, weiterzuspielen, darstellt. Dennoch kann man das Spiel, wenn man den schnellsten Weg nimmt, relativ schnell durchspielen, was mir im Vergleich zu solchen endlos-Spielen à la “World of Warcraft” wichtig ist.
Die Erweiterung: Lord of Destruction
Die 2001 erschienende Erweiterung „Lord of Destruction“ zeigt ebenfalls wieder einmal, dass man sich auch mit der Story bei “Diablo 2″ Gedanken gemacht hat. So gibt es (neben zwei neuen Klassen und vielen weiteren Modifikationen) einen komplett neuen zusätzlichen Akt, der, hat man das Hauptspiel durchgespielt, schlicht und ergreifend Sinn macht. Die Berg-, Eis- und Schneelandschaft in diesem reiht sich auch perfekt ein in die Optik des Spiels ein.
Langzeitmotivation
Erstaunlich ist, dass dieses Spiel von 2000 noch immer so viele Leute in ihren Bann ziehen kann; trotz maximaler Auflösung von 800×600 und 2D-Optik. Auch, obwohl dieses Spiel der Grundstein für den derzeitig von Fantasy-Rollenspielen überfluteten Markt gewesen ist und es inzwischen vielfache Weiterführungen und Kopien von dessen Idee und Spielprinzip gibt, scheint “Diablo 2″ das gewisse Etwas zu haben. Für mich ist es jedenfalls eines der sehr wenigen Spiele, auf die ich immer mal wieder Lust habe, sie erneut durchzuspielen. Meines Erachtens ist die Langzeitmotivation also sehr groß; der Reiz, den eigenen Charakter noch mehr auszustatten, oder eben einen völlig andersartigen Charakter zu spielen, ist auf jeden Fall stets vorhanden.
Auch im Netzwerk macht das Spiel zweifellos Spaß, allerdings ist hier einiges nicht so gut gelöst (Questbelohnungen nur manchmal für alle). Es kann auch leicht zu einem ständigen Aufstiegskampf zwischen den Charakteren und gefundenen Gegenständen kommen, und das ist eigentlich nicht Sinn der Sache.
Fazit
Im Vergleich zu neueren Spielen mag sowohl Grafik, Story und Spielprinzip inzwischen ein wenig überholt anmuten, dennoch würde ich “Diablo 2″ jedem anderen Spiel vorziehen. Man sollte schließlich auch nicht vergessen, dass es und sein Vorläufer diese Nische überhaupt wieder ins Leben befördert hat und die meisten neueren Spiele mehr oder minder darauf aufbauen. Und obwohl ich eigentlich prinzipiell Spiele mit Blutmassen ablehne, ist “Diablo 2″ ist die Ausnahme der Regel. Für mich ist “Diablo 2″ für ein Rollenspiel fast perfekt gelungen. Denn während alle anderen eine recht austauschbare Fantasywelt und -landschaft zeigen, ist “Diablo 2″ mit seinem düsteren, teils realistischen (gemeint ist auf reale Kulturen anspielende Optik) Szenarien und der Himmel/Hölle-Thematik zweifelsfrei nach wie vor eigen und unverkennbar. Von mir gibt es trotz einiger Schwächen, die sicherlich vorhanden sind, dennoch 9 Punkte für den großen Spielspaß und die anscheinend nie enden wollende Spielmotivation.
Gesamtwertung: 9/10 Punkte
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