Und es geht wieder los…
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12. 03. 2009 |
Henning |
Nach dem gestrigen Amoklauf in Winnenden werden wieder Verbotsforderungen gegen sogenannte “Killerspiele” laut. Grundsätzlich wird dieses Thema schon deutlich vorsichtiger behandelt, aber einige Leute können es einfach nicht lassen und suchen die Ursachen krampfhaft bei den Games. Am gestrigen Tage wurden in der Kleinstadt Winnenden in Baden-Würtemberg 16 Menschen bei dem Amoklauf eines Jugendlichen erschossen. Der Täter erschoss sich anschließen selbst. Wie sich herrausstellte, hat der Täter in seiner Freizeit “Killerspiele” gespielt, vorneweg wird wie immer “Counter-Strike” genannt.
Nach dem Amoklauf in Erfuhrt 2002 ist dieses Thema das erste Mal ernsthaft aufgetaucht. Politiker und “Wissenschaftler” haben teilweise ohne jegliche Kenntnisse von den von ihnen beschuldigten Games versucht, ein allgemeines Verbot in Deutschland durchzubringen. Nach dem Amoklauf in Emsdetten 2006 sind die Wellen wieder hoch geschlagen, allerdings wieder ohne gesetzliche Folgen im Bereich der Computerspiele. Nach dem gestrigen Tag geht’s jetzt wieder von vorne los.
Im Großen und Ganzen sind die Medien vorsichtiger geworden, irgendwelche haltlosen Unterstellungen auszusprechen, aber das gilt nicht für alle. Es kann schon ziemlich peinlich sein, was da so auftaucht.
N-TV zeigte gestern in einer Reportage über den Amoklauf von Winnenden ein YouTube-Video mit Spielausschnitten aus “Counter-Strike: Source”. Allerdings war der Shooter mit einer Extrem-Mod versehen, welche in Deutschland nicht erhältlich ist. Herzlichen Glückwunsch an N-TV von mir, super Berichterstattung!
Wer sich das Video mal ansehen will, hier findet ihr es.
Auch Hans-Dieter Schwind, der Präsident der Deutschen Stiftung für Verbrechensbekämpfung, meldet sich mal wieder zu Wort, aber das erstaunt wohl niemanden mehr. Er fordert ein generelles Verbot von Gewaltspielen und eine Verschärfung des Waffenrechts.
Auf diesen Zug springt auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf.
Dass es seriöse Studien gibt, welche den von allen gesuchten Zusammenhang zwischen Amokläufen und “Killerspielen” wiederlegen, wird hier gern mal übersehen. Gerade in letzter Zeit gab es wieder eine größere Studie, durchgeführt von Christopher Ferguson, Professor an der A&M International University in Texas.
Dass Waffenfetischisten und Gewaltbereite Jugendliche eher zu Gewaltspielen neigen als durchschnittliche Bürger, bestreitet niemand, dies war unter anderem Thema auf der zweiten Tagung für Onlinesucht in Berlin am vergangenen Wochenende.
Zum Schluss noch eine traumhafte Nachricht (ob Gerücht oder Wahrheit kann ich an dieser Stelle noch nicht sagen).
Die Marken MEDIA MARKT und SATURN werden aufgrund des Amoklaufs von Winnenden vorerst ALLE gewaltverherrlichenden Spiele aus ihrer Werbung und ihrem Programm nehmen.
Unter anderem davon betroffen sind:
Resident Evil
Half Life
Crysis
Dead Space
Call of Duty
Killzone 2
(Bezieht sich auf ALLE Versionen. Also PC, WII, PS2, 360er und PS3)
Mit dem Wort “gewaltverherrlichend” sollte man lieber vorsichtig umgehen. Nach §131StGB sind gewaltverherrlichende Spiele in Deutschland verboten, deshalb kann es sich bei oben genannten auch nicht um welche handeln, ihre Verbreitung wäre gesetzeswiedrig.
Na ja, mal sehen wie sich das alles weiterentwickelt, man sollte auf alles gefasst sein. Ich für meinen Teil bin jedenfalls wieder ziemlich genervt von diesesm Thema, die Leute scheinen sich vor der Wahrheit verstecken zu wollen.



13 Kommentare | Einen eigenen Kommentar schreiben
Ein nie endendes Thema. Es wird doch niemanden überraschen, dass man bei einem Typen, der andere bei einem Amoklauf erschossen hat, Killerspiele finden wird, aber daraus den Umkehrschluss zu ziehen, diese Spiele hätten den Amoklauf ausgelöst, ist schon sehr weit hergeholt.
Warum konnte der Junge überhaupt schießen und warum haben die Eltern den Jungen nicht im Griff gehabt? Aber, oha, Problemzonen Eltern und Waffenlobby, da sagt und ändert man mal lieber nichts, nein, es wird nicht mal wirklich thematisiert.
Da aber offensichtlich jeder Erwachsene über 40 offensichtlich noch nicht begriffen hat, dass Killerspiele inzwischen in den jüngeren Generationen völlig normal sind und dann ja Unmengen Amokläufer existieren müssten, stellt die Verteufelung immer noch ein perfektes Mittel dar, um so zu tun, als würde man sich als Politiker dem Problem Amoklauf stellen.
Wobei ich hier nicht als Befürworter der Spiele rüberkommen will, ich finde es schon seltsam, wie normal das Geballer und Abschlachten heute geworden ist und was bei uns als gewaltverherrlichend eingestuft wird und was nicht. Nur weil man sinnlos Aliens abschlachtet oder Blut grün ist, hört ein Spiel nicht auf, Gewalt zu verherrlichen. Trotzdem bin ich weiterhin der Ansicht, dass derartige Spiele bei “normalen” Menschen eher Aggressionen abbauen als aufbauen. Dass ein generell schon auf Waffen fixierter Irrer mit Potential zum Amoklauf hier noch weitere Impulse sammelt, ist natürlich ebenfalls logisch.
Politiker sollten sich eher ins Gedächtnis rufen, dass hier nicht Amerika ist und dass Privatpersonen keine Waffen besitzen müssen und schon gar nicht in der Nähe von Kindern. Scheiß drauf, dass Schießen ein Sport sein soll, aber dann bitte keine Kinder im Schützenverein unter 18!
Und noch ein kleiner Seitenhieb! Klar, jeder Jugendliche kann sich heute FSK18-Material irgendwie besorgen, aber wenn die FSK generell nur noch Freigaben zugunsten der Erweiterung der zahlenden Zielgruppe vergibt und sich nicht mal mehr ansatzweise traut, gewalttätige Filme oder Spiele ab 18 freizugeben, muss man sich nicht wundern. Es gibt Regeln bei der FSK, die stehen sogar auf deren Seite, aber dran halten tut sich keiner mehr. Und wenn man bei jedem Fall individuell abseits der Regeln entscheidet, dass wohl der Großteil des Alters damit klar kommen müsste, reicht das einfach nicht, dem Kleinteil schadet man trotzdem.
Es läuft sicher einiges falsch heutzutage, aber einzelne Irre wird es immer geben, die wird man nie in den Griff bekommen. Trotzdem sollte man solche Taten nutzen, um sinnvoll auf Missstände aufmerksam zu machen und auch entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Aber da reicht nicht wieder die billige Killerspiel-Verteufelung, die jedem logisch denkenden Menschen sofort als nicht der Kern des Problems klar werden muss.
13.03.09 08:32 Uhr | | Nach oben
Wird jemand durch aggressive Spiele und Filme aggressiv oder guckt/spielt ein Agressiver gerne agressive Filme/Spiele? Zweiteres zu sagen wäre genau so manipulierend und falsch wie ersteres. Einerseits ist das etwas, was man niemals durch Statisten o.ä. herausfinden kann, außerdem ist dies von Fall zu Fall sicherlich unterschiedlich und in vermutlich kaum einem Fall liegt nur das eine oder andere vor; wahrscheinlicher ist eine ganze Reihe von Wechselwirkungen und gegenseitigen Beeinflussungen.
Dass brutale Filme und Computerspiele in verstärktem Maße Hemmungen abbauen und abstumpfen, davon bin ich absolut überzeugt. Insofern habe ich auch eine Abneigung gegen Ego-Shooter (auch wenn ich mich in diesem Blog wohl mit solchen Aussagen unbeliebt mache), die ja nun direkt das zielgerichtete Töten von Menschen (am besten mit Kopfschuss und real existierenden Waffen) trainieren. Insbesondere, wenn diese Szenarien weder in der Zukunft noch in der Vergangenheit spielen, sondern aktuelle Militärtaktiken und -Waffen dargestellt werden. Mir macht schon Angst, dass viele, auch eigentlich pazifistisch eingestellte Leute, insbesondere durch solche Spiele sämtliche Waffenbezeichnungen und deren Aussehen kennen. Dass man darüber redet und überlegt, einige Spiele zu verbieten, finde ich also völlig okay.
Nicht okay ist, wie man dies getan hat. Dass erstmal so ein dämlicher Begriff wie “Killerspiele” erfunden worden ist, der schön unscharf umrandet ist und erstmal pauschal fast alle Computerspiele verteufelt. Aber auch wenn solche Darstellungen wie die bei N-TV natürlich peinlkich sind, habe ich dennoch das Gefühl, als wäre dies bei diesem Amoklauf nun nicht mehr so stark der Fall.
Diskutiert wird über alles Mögliche, die Spiele als Ursache nennt eigentlich keiner wirklich, nur als Faktor, was sie wohl auch sind. Ebenso thematisiert werden Verschärfung von Waffengesetzt, Kontrolle von Besitzern von Waffen und von Schützenvereinen, ob Waffen nur in Vereinen gebunkert werden sollten, psychische Kontrollstellen und sämtliche Maßnahmen für eine “Schulfestung”. Dass Eltern versagen, wird in dieser Gesellschaft oft genug breitgetreten, dagegen kann man ja auch schwer gesetztlich vorgehen.
Dass keiner bemerkt, dass jemand 16 (15?) Waffen zuhause hat mit Unmengen an Munition, ist sicherlich schlichtweg unfassbar.
Ich sehe es wie viele andere auch, dass man Amokläufe, die sicherlich in letzter Zeit stark zugenommen haben, nie verhindern können wird, schon gar nicht mit Überwachung an der Schule. Auch halte ich die vielen Anlaufstellen dort für wenig wirksam. Man sollte erstmal sicher stellen, dass kein Jugendlicher an Waffen kommt; dass diese also, sollten sie denn zuhause aufbewahrt werden, sicher verwahrt sind.
Aufpassen sollte man jetzt aber auf jeden Fall vor Effekt-Handlungen, “nur um etwas zu tun”.
13.03.09 11:23 Uhr | | Nach oben
Die Zensur dieser Spiele kann nicht die Lösung sein. Immerhin weiss ich selbst von früher, dass gerade die verbotenen Spiele attraktiv für viele Leute wirken. “Oh man is ja so böse und gefährlich, weil man ein Spiel hat, was man nicht haben darf. ohoho!” Gerade in Zeiten des Internets, kann man damit die Verbreitung solcher Spiele nicht aufhalten. Höchstens eindämmen. Würde ich doch behaupten, dass diese Spiele vorrangig den Jugendlichen als Ventil dienen um ihren Frust los zu werden, der sich durch diverse Erlebnisse angesammelt hat.
Die detailierte Darstellung der Gewalt halte ich ebenfalls schon für zu übertrieben und als unnötig.
Ich bin und war nie ein Freund von Schusswaffen, da sie nur zu einem Zweck gebaut wurden und daher nichts Gutes bewirken können. Mit wenigen geübten Handgriffen, kann man oft mehr bewirken, wenn man bedroht wird und richtet weniger Schaden an.
Nur welche Maßnahmen kann man gegen solche Aggressionen tun? Kampfsport? Bei manchen Menschen hat es wirklich positive Effekte erbracht, da diese Sportrichtung die Menschen auspowert und daher gehören gerade die Kampfsportler oft zu den friedlicheren Leuten. (nach meiner Erfahrung)
Aber was fangen solche verdrehten Köpfe mit diesen Kenntnissen an? Das birgt natürlich wieder andere Gefahren, wenn diese Maßnahmen nicht greifen.
Wie schon gesagt, wird wieder am falschen Ende angepackt und es wird sich wie immer nichts ändern.
Es gibt nunmal Dinge, die sich nicht kontrollieren lassen und immer wieder Fälle, welchen nicht geholfen werden kann, da es nicht erkannt wird und bei denen so die Sicherung durchknallt. Um dennoch nicht missverstanden zu werden und politisch korrekt zu bleiben…. schön, dass man es versucht in den Griff zu bekommen, aber ich halte für eine überflüssige Reaktion, da die wirklichen Probleme in der Psyche des Jungen ganz woanders begonnen haben.
18.03.09 21:04 Uhr | | Nach oben
Und weitere Neuigkeiten: Galeria Kaufhof wird nun ab April alle Games ab 18 aus seinem Sortiment nehmen. Herzlichen Glückwunsch von mir!
22.03.09 12:21 Uhr | | Nach oben
Irgendwelche Demos in Osnabrück? Man fasst es ja langsam alles nicht mehr. Erst die FSK-Plaketten auf Spielehüllen, nun auch auf DVDs/Blu-Rays und es geht immer noch weiter.
Das sind genau die Affekt-Handlungen, die nur getan werden, um überhaupt etwas zu tun. Sinn macht es nicht.
22.03.09 12:25 Uhr | | Nach oben
[...] Kaum hat es wieder einen Amoklauf gegeben, gibt es wieder eine erneute Diskussion zu Killerspielen. Diskutiert bei diesem Blog doch mal [...]
08.04.09 09:04 Uhr | | Nach oben
Kurz vor der Europa-Wahl der Knaller schlechthin:
http://www.welt.de/politik/article3866764/Innenminister-wollen-die-Killerspiele-verbieten.html
ich kann nichts anderes dazu sagen als: unfassbar!!
05.06.09 18:17 Uhr | | Nach oben
Und es gibt wieder erschreckende Neuigkeiten!
Auf der deutschen Innenministerkonferenz in Bremerhafen hat man beschlossen, dass ein Herstellungs- und Verbreitungsverbot von Killerspielen idealerweise noch vor den Bundestagswahlen im Herbst umzusetzen ist.
„Für Spiele, bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die virtuelle Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen oder anderen grausamen oder sonst unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen ist, ein ausdrückliches Herstellungs- und Verbreitungsverbot so schnell wie möglich umzusetzen.“
Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann äußerte sich auch zu dem Thema:
„Durch Killerspiele sinkt die Hemmschwelle zur Gewalt. Amokläufer haben sich vor ihren Taten immer wieder mit solchen Spielen beschäftigt.“
Nun kann man nur hoffen, dass es sich bei diesem Vorstoß nur um Wahlkampfgesäusel handelt. Es wäre nicht das erste mal, dass so ein Beschluss nicht umgesetzt wird.
05.06.09 18:53 Uhr | | Nach oben
Na, dann müssen wir ja nur alle protestieren, so sind die Paintballfans anscheindend ja auch von der Liste gekommen…
Man, das ist doch echt lächerlich, mal schauen, was da überhaupt noch an Spielen übrig bleiben würde.
Als nächstes werden Spielzeugpistolen verboten und wer als Kleinkind beim Spielen mit der Hand eine Pistole darstellt, kommt gleich ins Erziehungheim oder noch schlimmer zur Supernanny.
Und dann die Filme!! Nachträglich werden alle Waffen durch Funkgeräte ersetzt und die Schüsse durch Furzgeräusche!
Deutschland wird ein soooooo friedlicher Ort werden, wo man Amokläufe nur noch aus dem bösen Ausland und den Geschichtsbüchern kennt…
06.06.09 08:22 Uhr | | Nach oben
leider werden aber gamer nicht so ernst genommen wie paintballer. hinter paintball stehen ja auch noch arbeitsplätze um die anlagen bereitzustllen etc. da ist es klar. dass von der seite heftiger protest kommt. die paar entwicklerstudios die die shooter hier zulande herstellen können doch sicherlich von den engstirnigen politikern entbehrt werden.
und das nachdem games erst vor kurzem zum kulturgut aufgestiegen sind. traurig, traurig.
und was ist mit den waffengesetzen? wann werden die endlich verschärft? ach ja, da stehen ja auch wieder zu viele protestanten hinter, die gerne nen tresor voller waffen zu hause stehen haben wollen und die waffenindustrie, dessen profit dann sicherlich auch weiter zurückgehen würde.
verquere welt.
06.06.09 13:51 Uhr | | Nach oben
Neuigkeiten: Der CDU-Abgeordnete Thomas Strobl hat sich zur “Killerspieldebatte” geäußert:
“Das von der Innenministerkonferenz geforderte Herstellungs- und Verbreitungsverbot ist für mich daher bedenkenswert und sorgfältig zu prüfen. In jedem Fall sollte aber meines Erachtens in der Debatte, welche Maßnahmen zur Gewaltprävention ergriffen werden, die von den Bundesministern von der Leyen und Schäuble vorgeschlagene Sperrung von kinderpornografischen Seiten im Internet mit Blick auf Killerspiele neu diskutiert werden.”
Das ganze nimmt jetzt sogar noch größere Ausmaße an. Absolut lächerlich. Und wer ist überhaupt Thomas Strobl?
13.06.09 01:24 Uhr | | Nach oben
das ist irgendjemand, der in die presse möchte.
aber jetzt auch noch internetzensur mit ins spiel zu bringen ist einfach lächerlich! aber vllt werden so wenigstens ein paar mehr leute darauf aufmerksam, was da für mist abgeht. der ccc wird da sicherlich was gegen haben.
wenn die damit durchkommen sollten, steht der internet zensur nach belieben jedenfalls nichts mehr im weg.
13.06.09 14:42 Uhr | | Nach oben
[...] Anfang des Jahres wieder die “Killerspiel”-Thematik bei diversen Politikern ein gefundenes Fressen war, wurde auf der Innenministerkonferenz am 5.6.09 [...]
10.08.09 22:15 Uhr | | Nach oben
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